Pressemitteilung des NABU Kiel

Gemeinsame Stellungnahme der Kieler Umweltverbände zum Entwurf eines
Wohnbauflächenatlas:
Bauwahn oder Zukunftsplanung?
BUND und NABU kritisieren mangelhafte Einbindung von Bürgern, Verbänden und
Fachkonzepten bei der Erstellung des Wohnbauflächenatlas. Nach Bewertung der
Umweltverbände fehle dem Atlas die nötige stadtplanerische Qualität, um den
verschiedenen Nutzungsansprüchen in der Stadt gerecht zu werden. NABU und BUND
fordert insbesondere die Veräußerung von Flächen im städtischen Besitz an klare,
ambitionierte Kriterien zu knüpfen und das Tafelsilber der Stadt nicht leichtfertig an
Investoren zu verkaufen.

 

Näheres finden Sie in der vollständigen Pressemitteilung.

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Wohnungsbau in Kiel –

Stadtverwaltung veröffentlicht Wohnbauflächenatlas

Im Sommer wurde der Entwurf vom Wohnbauflächenatlas als Beschlussvorlage für die Ratsversammlung veröffentlicht. Das Stadtplanungsamt hat für die Stadt Kiel Flächen identifiziert, die für den Wohnungsbau genutzt werden können und sollen. Bei diesem Entwurf werden die Flächen, die sich im Eigentum der Stadt befinden, dargestellt. In einem zweiten Entwurf werden Anfang kommenden Jahres noch die im Privatbesitz befindlichen Flächen aufgezeigt. Mit der geplanten Bebauung will die Stadt Kiel dem prognostizierten Wohnungsmangel entgegentreten.
Sollte der Wohnbauflächenatlas in der vorliegenden Form tatsächlich umgesetzt werden, würden massiv Grünflächen der Stadt zugebaut werden. Die Kieler Naturschutzverbände NABU und BUND lehnen daher den Entwurf ab. Die Grünflächen haben eine sehr hohe Bedeutung für die Natur, sie werden benötigt zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt, sind ausschlaggebend für Stadtklima und Luftqualität. Grünflächen bedeuten aber auch mehr Wohnqualität für die Bewohner Kiels, weil Gärten und Parks eine hohe Bedeutung als Freizeit- und Erholungsräume haben.
Konkret sind Flächen nach folgenden vier Kriterien aus dem bestehen Wohnbauflächenatlas wieder zu streichen:

- Keine Innenflächenverbauung, wenn es sich z.B. um strukturreiche Gärten handelt.
  Sie sind wichtig für das Kleinklima im Innenstadtbereich, Wohnqualität, Naherholung
  und als sozialfördernde Strukturen.

- Keine Zerschneidung von Biotopverbundachsen bzw. Grünachsen.
  Sie sind wichtig für Austauschbeziehungen zwischen Biotopflächen,

  als Frischluftschneisen und für das Innenstadtklima.

- Keine Außenrandverbauung bzw. Außenrandverschiebung
  Diese Naherholungsgebiete direkt vor den Toren der Stadt müssen für die Menschen
  erhalten bleiben – Wohnqualität - und es kommen oft wertvolle Biotopstrukturen vor.

- Keine Baumaßnahmen in wertvolle Biotope, z.B. Kleingärten mit altem Baumbestand,
  Gewässer, artenreiches Wertgrünland oder Knicklandschaft.
  Sie sind wichtig für den Erhalt von Naherholungsgebieten, Biotopen und Trittsteinen
  für die Fauna.

Die Naturschutzverbände kritisieren auch die Vorgehensweise der Stadt Kiel. Wie selbstverständlich werden die Prognosen zum Bevölkerungswachstum als gottgegeben dargestellt, dabei sind diese Prognosen kritisch zu hinterfragen, denn es gibt auch andere Zahlen. Der Bauboom ist letztendlich auch dem Niedrigzins geschuldet. Geschaffen werden im Wesentlichen Wohnungen und Einfamilienhäuser der gehobenen Preisklasse. Damit ignoriert die Kieler Politik aber die tatsächliche soziale Entwicklung der Bevölkerung. Die Ankündigung Wohnraum für Studenten und weniger reiche Familien schaffen zu wollen, erweist sich bei der genauen Betrachtung als Lippenbekenntnis. Von der Ratsversammlung ist zu erwarten, dass sie sich über Lösungswege anderer Städte informiert, man muss das Rad nicht zweimal erfinden. Tübingen zeigt Beispielsweise, dass es auch anders geht. Dabei hatte Kiel mal gute Vorsätze wie Bebauung auf nur vorgenutzten Flächen, in Baulücken und möglichst keine Neuversiegelung. Davon haben sich die Kieler Ratsfraktionen aber verabschiedet.
Fläche ist in einer Stadt nun mal ein endliches Gut, die Bedeutung der Grünflächen für Natur, Umwelt und Mensch ist sehr hoch und bei Verlust nicht auszugleichen. Die Naturschutzverbände fordern daher eine Grundsatzdebatte. Außerdem eine Rückbesinnung auf die alten Konzepte mit Wohnungsbau nur in Baulücken, durch Aufstockung und auf bereits versiegelten Flächen. Grüne Innenhöfe, Biotopverbundflächen sowie die bestehenden Baugrenzen sind zu erhalten. Durch den Ausbau des ÖPNV können auch die Potenziale der umliegenden Gemeinden ökologisch verträglich genutzt werden.

Mitarbeit der NABU-Mitglieder ist gewünscht und notwendig
Die Mitglieder des NABU sind aufgefordert sich an der Diskussion zu beteiligen. In den Ortsbeiräten und mit den Vertretern der Ratsversammlung müssen Grundsatzdiskussionen geführt werden.
Wer im Wohnbauflächenatlas kritische Flächen bei sich in der Umgebung entdeckt, kann diese auch gerne dem NABU-Vorstand melden. Wir werden eine Stellungnahme dazu noch verfassen und sind auf die Mithilfe von Leuten vor Ort angewiesen. Die Unterlagen können über die Seite der Stadt eingesehen oder beim Vorstand angefragt werden (vorstand(at)nabu-kiel.de).


Pressemitteilung des NABU Kiel

15.04.2016: Mit Bezug auf die Veröffentlichung der neuen Werte zu den Luftschadstoffmessungen in Kiel sowie den (fehlenden) Maßnahmen der Stadt können Sie hier unsere Pressemitteilung vom 15. April d. J. lesen:

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Hartmut Rudolphi (1. Vorsitzender)
hartmutrudolphi(at)yahoo.de

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Kein Windpark in geschütztem Landschaftsraum!

Gemeinsame Stellungnahme von NABU und BUND gegen einen Windpark Meimersdorf

Knick (Bsp.)  (c)  A.Schneider-Bujack
Knick (Bsp.) (c) A.Schneider-Bujack

19.02.2016  Auf Grund der aktuellen Berichterstattung in der Presse zum geplanten Windpark im Süden Kiels vom 18./19.02.2016 sehen sich der NABU Kiel und die BUND Kreisgruppe Kiel veranlasst, eine Richtigstellung vorzunehmen:

In den KN-Berichten vom Donnerstag, 18. Februar und Freitag, 19. Februar 2016 zur Beschlussfassung der Kieler Grünen wird der Eindruck vermittelt, die auf der jüngsten Kreismitgliederversammlung (KMV) von Bündnis 90/Die Grünen entwickelte neue Idee, eine Verringerung der Turmhöhe der geplanten Anlagen prüfen zu lassen, wäre auf Betreiben oder Wunsch der Naturschutzverbände veranlasst oder würde in irgendeiner Weise dem Naturschutz Rechnung tragen. Davon distanzieren sich die Naturschutzverbände!

 

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NABU Kiel und BUND KG Kiel kritisieren Beschluss des Grünen Kreisverbandes Kiel zum weiteren Planungsverfahren "Windpark Kiel-Meimersdorf/ Flintbek"

Schreiadler vor Windräder
(c) NABU / Thomas Krumenacker

04.06.2015  NABU und BUND haben sich in gemeinsamen Stellungnahmen deutlich gegen einen Windpark im Süden Kiels ausgesprochen. Die Stadt Kiel plant hier gemeinsam mit der Gemeinde Flintbek, einen interkommunalen Windpark südlich Meimersdorf zu errichten. Förmlich eingeklemmt zwischen Siedlungsbereichen, EU-Schutzgebieten (Flora-Fauna-Habitat/Natura-2000 Gebiet) sowie naturschutzfachlich wertvollen Feuchtgebiets- und Extensivflächen der Moorseeniederung, des Kleinflintbeker Moores und des Eidertals, soll eine Sondernutzungszone „Windenergie“ mitten im Landschaftsschutzgebiet (LSG) errichtet werden. Dabei werden vom LLUR ausdrücklich empfohlene oder sogar per Erlass vorgeschriebene Mindestabstände nicht eingehalten. Da die LSG-Verordnung noch dazu die Errichtung von Windenergieanlagen ausdrücklich verbietet, plant die Stadt Kiel nun, den Landschaftsschutz für das betroffene Gebiet wieder aufzuheben. Und das, obwohl sie selbst dessen überaus hohen Wert herausstellt, den das Gebiet hinsichtlich Naturhaushalt, Ökologie, Landschaftsbild und Kulturhistorie sowie als wichtiges Kieler Naherholungsgebiet hat.

 

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