Pressemitteilung 9.11.2017

Zur Klage der DUH: Kieler Umweltverbände fordern Ursachen- statt Symptombekämpfung

Am 9.11.17 gab die Deutsche Umwelthilfe bekannt, dass sie Ende des Monats Klage gegen die Landesregierung Schleswig-Holsteins wegen nicht eingehaltener Grenzwerte von Stickstoffdioxidwerten in Kiel Klage einreichen will. Gegen 44 weitere Städte werden ebenfalls Klageverfahren angestrebt. Der NABU Kiel begrüßt die Klage, denn es darf nicht sein, dass die Gesundheit der Menschen in Kiel unter der Untätigkeit von Politik und Verwaltung leiden muss.


In 16 Städten laufen bereits Klageverfahren der DUH. Die Menschen haben ein Recht auf saubere Luft. Laut DUH verursacht das Dieselabgas Stickoxid bundesweit jährlich bis zu 10.600 vorzeitige Todesfälle. Kiel ist von den 45 Städten, gegen die die DUH Verfahren eingeleitet hat, mit Messwerten von 65 g/m3 trauriger Spitzenreiter.
An den Messstationen am Theodor-Heuss-Ring und in der Bahnhofstraße werden schon seit langem zu hohe Stickstoffdioxidwerte gemessen. Die permanente Überschreitung der Grenzwerte ist ein unhaltbarer Zustand. Dabei gibt es Lösungen wie der vernünftigen Ausbau des ÖPNV und des Radwegenetzes sowie die Umstellung der Busse auf Elektromobilität. Die Stadtplanung muss generell ein neues Konzept für den Verkehr in Kiel erarbeiten, die alten Denkstrukturen sind überholt. Andere Städte wie Kopenhagen machen es vor, nur die Kieler verharren auf alte Konzepte.


Der NABU Kiel sowie weitere Umweltschutzverbände fordern daher endlich eine Verkehrswende.

Die Kieler Verbände Verkehrsclub Deutschland (VCD), Bund für Umwelt und Naturschutz, (BUND KG Kiel), Naturschutzbund Deutschland (NABU Kiel) und der Verein Tram für Kiel sehen das drohende Diesel-Fahrverbot in Kiel als Weckruf.


Kiel muss die Mobilität der Zukunft jetzt in Angriff nehmen. „Allein die Symptome zu bekämpfen ist teuer und bringt uns Kielern keinen Mehrwert,“ so Ulrike Hunold vom BUND: „Stickoxidbindende Spezialasphalte ändern nichts am Lärm, Diesel-Abgasfilter verhindern keinen Stau, Ventilatoren und Moosfilterwände keine Unfälle. Und nichts
davon macht die Stadt lebenswerter.“


„Ein lokales Fahrverbot für Dieselfahrzeuge ändert nichts am grundlegenden Problem der hohen Verkehrsbelastung sowie an der verfehlten Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte,“ so Hartmut Rudolphi vom NABU: „Es ist zu befürchten, dass auch in etlichen Straßen, in denen bisher keine systematischen Schadstoffmessungen
durchgeführt wurden, die Grenzwerte überschritten werden.“


Die Bildung von Fahrgemeinschaften in Benzinern kann nur kurzfristig eine Option sein. „Die Mobilität in Kiel muss insgesamt intelligenter und flexibler werden“, so Alexander Montana vom VCD. „Es muss für jeden möglich sein, das eigene Auto stehen lassen zu können, weil es immer eine attraktive Alternative gibt.“ Kiel braucht hochwertige und sichere Fuß- und Radwege. Die Stadt ist hier zwar bereits auf einem guten Weg, muss diese Bemühungen jetzt aber noch intensivieren. „Der Nahverkehr muss bequem, schnell, günstig und immer verfügbar sein. Ein flächendeckendes Bike- und Carsharingsystem sichert volle Flexibilität.“


„Das Abgasproblem macht einmal mehr deutlich, dass Kiel eine Straßenbahn braucht: Abgasfrei und leistungsfähig. Ob zur Uni, auf der Holtenauer Straße, nach Mettenhof oder Richtung Ostufer, das Bussystem stößt täglich an seine Grenzen. Nur mit dem Bus werden wir die Straßen nicht entlasten" so Jan Niemeyer vom Verein Tram für Kiel.


Gemeinsam fordern die Verbände: „Andere Städte gehen die notwendige Verkehrswende bereits mutig an. Auch Kiel muss sich endlich dem Problem ernsthaft stellen und die städtische Lebensqualität in den Mittelpunkt all seiner künftigen Pläne stellen.“


Kontakt: Ulrike Hunold, Tel.: 0431/80 46 56 ab 13:30 Uhr

 

Download
Hier können Sie sich die Pressemitteilung zur Klage des DUH auch herunterladen
Klage-DUH-PM.pdf
Adobe Acrobat Dokument 67.4 KB

Luftqualität: NABU Kiel misst Feinstaub-Werte

Der NABU Kiel nimmt Messwerte der Luftqualität durch Feinstaub-Messungen in der
Stadt auf. Erste Tests verlaufen vielversprechend. Mit einem Sensor wurden bereits
erfolgreich die Feinstaub-Partikelgrößen PM2,5 und PM10 gemessen. Nun sollen weitere
Tests die Messwerte prüfen. Versuchsaufbau und Ausbau werden mit den gewonnen
Daten verfeinert.


Erster Testaufbau
In einem ersten Testaufbau wurde ein Design für ein mobile Messtation entwickelt. Erste
Test verlaufen vielversprechend. Mit einem Akku betrieben misst die Anlage minütlich die
Feinstaubwerte und speichert sie in einem Messprotokoll zur späteren Auswertung.


Sensor für Feinstaub
Kernstück des Tests ist ein Sensor für die Messung von Feinstaub "PM2,5" und "PM10".
Diese Bezeichnungen stehen für Feinstaub in der Größe von 2,5 bzw. 10 μm. (mehr
Informationen bei Wikipedia "Feinstaub") Das sind Werte unterhalb der Breite von
menschlichen Haaren.

Abb. 1: Laser PM2.5 Sensor, Nova Fitness Co. Ltd, SDS011; Foto: NABU Kiel (-se-)
Abb. 1: Laser PM2.5 Sensor, Nova Fitness Co. Ltd, SDS011; Foto: NABU Kiel (-se-)

Erste Tests und Messwerte
Einige erste Testreihen konnten bereits erfolgreich durchgeführt werden. Diese Messung
erfolgte noch in der Montagephase:

> Abb. 2: Messwerte einer Testreihe (Beispiel), Foto: NABU Kiel (-se-)
> Abb. 2: Messwerte einer Testreihe (Beispiel), Foto: NABU Kiel (-se-)

Erste Außenmessungen konnten erfolgen, nachdem ein entsprechender wetterfester
Aufbau erstellt war. Ein heftiger Regenschauer hatte offenbar keinen Einfluss auf die
Messergebnisse.


Citizen Science
Die Messungen des NABU Kiel sind ein Beitrag im Rahmen der Projekte für "Citizen
Science". Dabei sollen - in kleinem Rahmen - wissenschaftliche Fragen untersucht
werden. Jeder soll mitmachen und dadurch lernen können. Durch die verschiedenen
Erfahrungen, Beiträge und Entwicklungen - auch angeleitet von Experten - sollen so
wissenschaftliche Einblicke in unseren Alltag vermittelt werden. Diese Information soll den
Weg zu besseren Lösungen von kleinen und großen Problemen unserer Zeit bereiten. In
diesem Fall geht es einfach darum, die gute Luft in Kiel zu erhalten.


Zielsetzung des NABU Kiel
Feinstaub-Partikel der Größe PM2,5 und PM10 werden als Standard-Größen für
      1. Klima-Effekte und
      2. die Beeinträchtigung der Gesundheit von Menschen und Tieren betrachtet
      3. sind zum Teil in Normen geregelt.
Der NABU Kiel will mit einer mobilen und unabhängigen Messung hier Tageswerte
ermitteln. Diese können wissenschaftliche Messungen nicht ersetzen, aber Hinweise auf
problematische Orte liefern, an denen bisher noch nie gemessen wurde. Der NABU Kiel
hofft nun darauf, erste Ansätze zu finden, wo und wie solche wissenschaftlichen
Messungen zum Schutz von Menschen und Tieren auch in Kiel erfolgen könnten.