NABU-Wespenpaten gesucht

Nest von Dolichovespula saxonica  -  © NABU / A.Schneider-Bujack 2017
Nest von Dolichovespula saxonica - © NABU / A.Schneider-Bujack 2017

Noch bauen sie fleißig. Ob einzeln oder im Staatenverbund lebend: Schleswig-Holsteins schwarz-gelb gestreifte Faltenwespen bereiten sich eifrig auf Ihre Aufgabe vor: Nämlich ihren Nachwuchs zahlreich und mit den besten Startbedingungen ausgestattet für den Start eines neuen Entwicklungszyklus in das Leben zu lassen. Und das haben Sie auch wirklich nötig! Von 1000 Hornissen-Jungköniginnen überleben gerade einmal 10 die Überwinterungsphase; noch einmal 9 sterben im Verlauf der Nestgründung im Frühjahr. Das ist sicherlich nicht nur in einer ausgeräumten Landschaft, den fehlenden Nist- und Überwinterungsplätzen begründet, sollte uns aber darin bestärken, jedem Wespen- oder Hornissennest eine Chance auf Beendigung  seines Entwicklungszyklus zu geben.

Leider leiden unsere Wespen unter einen sehr schlechten Ruf, welcher dazu führt, dass die Bürger und Bürgerinnen nur selten dazu überredet werden können, Wespennester am ursprünglichen Neststandort zu belassen, selbst wenn der unmittelbare Lebensbereich nicht betroffen ist, keine nachweislichen Allergien existieren oder keine unbelehrbaren Personen betroffen sind („unzumutbare Belastung im Einzelfall“).


Da Wespen wie sämtliche wild lebenden Tiere und Pflanzen von den Vorschriften zum allgemeinen Artenschutz nach § 39 BNatSchG erfasst werden, muss für die Durchführung von Eingriffen in der Regel ein vernünftiger Grund für damit verbundene Beeinträchtigungen der Tiere (einschließlich derer Lebensstätten) vorliegen. Verboten sind mutwillige Beeinträchtigungen und solche, die ohne vernünftigen Grund erfolgen. Auch wenn sich ein vernünftiger Grund aus Sicht der „Betroffenen“ schnell finden lässt, kann für den Naturschützer eine Umsiedlung (Entnahme aus der Natur) oder im ungünstigsten Fall eine (Ab-)Tötung von Wespen (-nestern) nur dann gerechtfertigt sein, wenn eine unzumutbare Belastung im Einzelfall belegt ist. Anders als bei den Wespen gelten für Hornissen allerdings zwingend die Vor¬schriften des besonderen Artenschutzes (§ 44 BNatSchG), die unbedingt zu beachtende Verbotstatbestände beinhalten. Eingriffe hier benötigen eine Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde.

Vespula vulgaris nascht an Apfelkonfitüre  -  © NABU / A.Schneider-Bujack 2017
Vespula vulgaris nascht an Apfelkonfitüre - © NABU / A.Schneider-Bujack 2017

Kommt es dann zur Umsiedlung stellt sich das Problem – „Wohin jetzt mit dem Wespennest“ auf’s Neue. Kein Umsiedler stellt seine hochwertigen Wespen-/ oder Hornissennistkästen gerne ohne ein Minimum an Aufsicht einfach so in unbekanntes Gelände  – und der Platz im eigenen Garten (wenn vorhanden) ist natürlich limitiert und ruft sicherlich bald die Nachbarn auf den Plan.

 

In Bundesländern,  in denen es gut etablierte Wespen-/ Hornissenberater-Netzwerke gibt (z.B. Niedersachsen, Hessen) ist es nicht ungewöhnlich, ein umgesiedeltes Wespennest im Garten oder der Laube zu beherbergen.  Und es fördert geradezu die Beschäftigung mit diesen Tieren, wenn man den Entwicklungszyklus vor Ort beobachten kann, ein Auge für die unterschiedlichen, flugfähigen Tiere (Arbeiterinnen, Jung-Königinnen oder Drohnen) bekommt oder auch nur unmittelbar Anteil daran hat, Klischees gegen Wespen zu widerlegen. Denn Wespen sind besser als ihr Ruf!

Werden Sie NABU – Wespenpate!
-  wenn Sie einen wenig genutzten Schuppen oder einen wettergeschützten Unterstand (für manche Arten tut es auch ein stattlicher, sonnenexponierter Baum) in einem wenig stark frequentierten Bereich Ihres Gartens oder Ihrer Laube haben, bringe ich Ihnen gerne ein Nest einschließlich Nistkasten für eine Saison vorbei.

Andreas Schneider-Bujack
Kontakt über:  info(at)nabu-kiel.de     oder   hornissen-und-wespen(at)hummelschutz-sh.de